Le Grand Journal – une véritable histoire d’amour!

Das Festival von Cannes erlebt gerade seine 65. Aufführung und für zwei Wochen strahlt die kleine Stadt an der Côte d’Azur mit den Hollywoodschönheiten à Brad Pitt (ohne Angelina Jolie!) um die Wette.
Da ich dieses Jahr die einmalige Gelegenheit habe, nur 30 Kilometer entfernt zu wohnen, bin ich gestern frohen Mutes mit Regenschirm und Kamera bewaffnet in den Zug nach Cannes gestiegen, um ein bekanntes Gesicht vor die Linse zu kriegen. So einfach wie gedacht war das dann aber doch nicht, vielleicht sollte ich mehr Filme schauen, um dann die Schauspieler auch zu erkennen 😉

Der Tag hat sich für mich dennoch gelohnt. Erstens, weil es nicht geregnet hat und zweitens, weil ich in der ersten Reihe meiner Lieblingssendung im französischen Fernsehen stand!
Le Grand Journal (vom Petit Journal berichtete ich zum Frauentag bereits) ist nämlich vor Ort, direkt gegenüber vom Hôtel Martinez und sendet von dort aus jeden Tag zwei Stunden live über das Geschehen in Cannes. Das Ganze ist Open Air und wer sich auf ein bis zwei Stunden Warten einstellt, hat (wie ich) einen super Platz in der ersten Reihe und kann MICHEL TELO in die Augen schauen 🙂 Der war nämlich gestern da und hat in der Sendung seinen Hit „Ai se eu te pego“ performt – und danach, quasi als Zugabe noch einen neuen Song, direkt nach der Sendung.

Ansonsten war es einfach mal interessant zu sehen, wie so eine Live-Sendung produziert wird und da die Sendung schon ein wenig Kult in Frankreich ist, waren sehr viele meiner Freunde hier neidisch. 🙂 Ääätsch, ihr Lieben 😉

Für diesen Le Grand Journal-Traum musste dafür Brad Pitt leider ohne mich auskommen. Der war nämlich ungefähr einen Kilometer von mir entfernt, sah grässlich aus mit seinen langen Haaren und ging gekonnt die rote Treppe hoch in den Saal, um sich seinen Kinofilm „Killing them softly“ anzuschauen. Dort waren noch mehr Menschenmassen unterwegs und ich hätte wahrscheinlich froh sein können, wenn ich ein Stück Anzug von Brad gesehen hätte – da schau ich mir doch lieber Michel Teló in einem Meter Entfernung an 🙂

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Sonne, Strand und Meeeeeeer

Den Männertag haben wir Mädels zu einem wundervollen Frauentag gemacht 🙂 Hier in Frankreich wird der Männertag nicht gefeiert, es ist nur ein Feiertag (Himmelfahrt) wie jeder andere.
Durch den strahlenden Sonnenschein sind wir, Emily, Lucía und ich, an den Strand von Bamboo Plage und haben uns einen tollen Tag gemacht! Gegen Mittag kam dann noch Mathieu zu uns und wir faulenzten und fläzten uns auf unseren 14-Euro-Strandliegen.

Gegessen haben wir dann im strandeigenen Restaurant, für mich gab es einen Salat mit Tomaten, Champignons und Ziegenkäse-Toasties. Richtig, richtig lecker!! Die anderen verwöhnten sich mit Hamburger und Pommes oder einem Pan Bagnat. Danach, wieder an den Strand – der Rücken musste ja auch gebräunt werden! 🙂

Gegen 18 Uhr wurde es dann etwas frisch und wir gingen nach einer Rechnung von 135,50 € nach Hause, um die Sonnencreme abzuduschen und uns für den Abend fertig zu machen. Wir Mädels hatten nämlich am Strand beschlossen, den gemeinsamen freien Abend auszunutzen und ins Kino zu gehen – „Je te promets“ (Originaltitel „The Vow“) war dann ein zu Tränen rührender, mit einem Lächeln im Gesicht endender Mädchen-Film.
Da wir den Anschlussbus nach Hause verpasst hatten, ging es zur „Überbrückung“ mal wieder ins Ma Nolans. Für die Mädels war das das erste Mal, ich kenn mich mit den Cocktails ja schon etwas besser aus 😉 Da ich jedoch am nächsten Tag in der Frühschicht war und somit 6.30 Uhr aufstehen musste, hab ich Lucía und Emily gegen Mitternacht alleine gelassen und den Bus Richtung WG genommen.
Die beiden hatten noch richtig Spaß, sie fanden eine Disco, die ganz gute Musik gespielt hat und sind bis zum Schließen dieser geblieben. 🙂

Den Tag danach pflegten wir dann unseren Sonnenbrand, der uns alle drei erwischt hatte und meinten im Einklang, dass wir so einen Tag mal wieder machen müssen. 🙂

Je vous présente…

…le nouveau Président de la République Française: François Hollande

 

Gestern Abend in der heimischen WG-Wohnküche:

Aaaah, non…p’tain!!!! C’est pas vrai…c’est grave, j’arrive pas à y croire. Putain, il a réussi avec son programme de merde. Les Français sont tous cons!!!

 

O-Ton meiner französischen Mitbewohnerin Marion. Punkt 20 Uhr wurde das Ergebnis bekannt gegeben, die Sekunden wurden runter gezählt wie zu Silvester, und dann erschien auf dem Bildschirm das Foto Hollandes mit der Zahl 52,0 %. Die Franzosen hatten entschieden. Gegen Sarkozy. Für Hollande.
Und nun? Hitzige Debatte in unserer Küche. Wir Ausländer versuchen zu verstehen, was passieren wird, wenn Hollande sein Wahlprogramm- und versprechen wirklich durchzieht. Fragen wie „Darf Sarkozy in 5 Jahren wieder kandidieren?“, „Kann Hollande gestoppt werden?“ und „Was wird Sarkozy jetzt machen?“ hallen durch die Küche.

Zumindest auf die letzte Frage kann ich eine Antwort geben. Le Président sortant, der scheidende Präsident, findet berührende, ehrliche Worte und hält eine Rede, die viele Franzosen zu Tränen gerührt hat. Er bedankt sich für das Vertrauen, das die Franzosen ihm geschenkt haben, er spricht von der Liebe zu seinem Land, Frankreich und er beglückwünscht François Hollande – eine Geste, die ich sehr sympathisch und aufrichtig fand.

Nicolas Sarkozy werde ich gut in Erinnerung behalten. Ob das auch für Hollande gelten wird, werden wir sehen. Jetzt muss er nämlich erst einmal Taten auf seine vielversprechenden Worte folgen lassen.

Touristenguide, ein letztes Mal

Für ein letztes Mal schlüpfte ich in die Rolle der Nizzakennerin, um auch noch dem letzten Besuch aus der Heimat meine Stadt näherzubringen. Nicht nur Nizza, auch Cannes, St-Tropez und Monaco wurden von uns entdeckt und nebenbei gab es köstliche Crêpes, bunte Meeresbewohner, viel Französisch-Englisch-Deutsches Gerede und eine Menge Fotos 🙂 Auch wenn ich mittlerweile vieles schon kenne, entdecke ich doch jedes Mal neue Ecken und somit lohnt sich das Ganze auch für mich 😉

Ein absolutes Highlight war diesmal das Musée Ozéanographique, das sich in Monaco befindet. Bis jetzt hatte ich das Museum nicht unbedingt auf meine To-Do-Liste gesetzt, da Aquarien nicht so meine Aufmerksamkeit geweckt haben und 14€ Eintritt pro Person auch recht teuer ist. Allerdings kann ich allen Monaco-Reisenden sagen: Es lohnt sich!
Wundervolle Aquarien, eine tolle Aussicht von der Terrasse aus, ganz viele hübsche und weniger hübsche Fische und somit viel zu bestaunen, wie ihr auf den nächsten Bildern sehen könnt.

Da in Monaco die Vorbereitungen für die historische und die „richtige“ Formel 1 bereits auf Hochtouren laufen, konnten wir leider nicht am Hafen entlang schlendern, dafür haben wir bereits die rieeeesigen Tribünen bestaunt und den Rennverlauf verfolgt. Der historische Grand Prix findet übrigens vom 11.-13. Mai, der moderne Grand Prix vom 25.-27. Mai statt. Für letzteren ist mein Hotel ausgebucht, und das bei Preisen von 600€ pro Nacht pro Zimmer…

 
Für den Tagesausflug nach Cannes und Saint-Tropez hatte ich dann weibliche Unterstützung. Marion, Lucia und Emily, eine neue Praktikantin, Engländerin, haben sich beim Frühstück dazu entschlossen, mitzukommen und das Mietauto voll auszunutzen. Demnach wurde es sehr lustig, sehr musikalisch und es sind lustige Autobilder und –videos entstanden 🙂

 

Ich teile mir jetzt übrigens mit Emily, der Neuen, mein Zimmer. Sie ist nett, spricht sehr gut Französisch und wird im Restaurant arbeiten. Ob Emily hier bei uns in der Wohnung bleibt oder noch zu den Jungs wechselt, wissen wir noch nicht – aber fürs erste bin ich ganz zufrieden, so dass ich die letzten Wochen mit ihr gut klarkommen werde – hoffe ich zumindest 😉

Auch an der Rezeption hat sich unser Team verstärkt, Javier, der Spanier, der Silvester angekommen ist, ist nun nicht mehr Praktikant, sondern Saisonnier. Das heißt, dass er bis mindestens bis Oktober hier bleibt. Da er damit kein Recht mehr auf die Wohnung hat, hat er die Wohnung von Claire übernommen, die mit ihrem Freund zusammenzieht. Alles etwas kompliziert, ich weiß 🙂
Desweiteren ist vorgestern Mathieu angekommen, ein neuer Praktikant, der jedoch nur zwei Monate bleiben wird und danach noch im Restaurant arbeiten wird. Und, erst heute angefangen, hat Livia, die fünf Monate bleiben wird; beide machen bis jetzt einen sehr sympathischen Eindruck.

J’ai trouvé le sens de la vie…

Nach langem Zögern und Überlegen habe ich es endlich geschafft, einen Roman auf Französisch ohne Wörterbuch zu lesen. Und ich bin irre stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe 🙂
Es handelt sich um „Mange, Prie, Aime“ von Elizabeth Gilbert.
Einigen wird es sicher unter dem englischen Originaltitel „Eat, Pray, Love“ bekannt sein. Ich möchte nicht leugnen, dass ich sehr lange für das Buch gebraucht habe, was zum einen an der Sprache, zum anderen an dem etwas langatmigen zweiten Teil des Buches lag. Es hat außerdem eine Weile gedauert, bis ich mich an den literarischen Stil gewöhnt hatte, der viele Ausdrucksformen benutzt, die ich hier im alltäglichen Leben überhaupt nicht verwende, wie zum Beispiel das passé simple, die einfache Vergangenheit.

Anfangs hatte ich immer noch ein kleines Wörterbuch neben mir liegen, aber mit der Zeit nervt es einfach, wenn ich nach jedem Wort, das ich nicht kenne, suchen muss. Zumal ein Mini-Langenscheidt nur bedingt weiterhilft.  Deshalb fing ich danach an, unbekannte Wörter einfach zu „überlesen“…und das Große-Ganze zu verstehen.  Ging besser, schneller … und endlich genoss ich das Lesen. 🙂

Als nächstes Buch wartet dann Paulo Coelhos  „Brida“  auf mich … etwas schwerere Kost – aber ich habe ja immerhin zwei Monate Zeit 🙂

Musiktechnisch ist grad in Frankreich einiges los, hier mal mein absolutes Lieblingslied zur Zeit 😉

Es wird übrigens Sommer…meine letzte Zeit hier in Nizza ist angebrochen und ich versuche so gut wie möglich genau das zu verdrängen. Smoothies. Sonne. Leben. Lieben.

Quelle:

http://livre.fnac.com/a2196225/Elizabeth-Gilbert-Mange-prie-aime

Allez voter!

Am 22. April hat Frankreich gewählt. 79,5 % der wahlberechtigten Franzosen haben ihre Stimme abgegeben, von so einer Wahlbeteiligung träumt Deutschland…

Da ich Sonntagabend arbeiten war, konnte ich die Ergebnisse nicht live im TV verfolgen, hatte allerdings dank Le Monde einen recht guten Überblick via Internet. Das Wahlergebnis war dann nicht sehr überraschend, sämtliche Medien hatten es so vorausgesagt. Hier noch einmal der Überblick in Zahlen:

François Hollande           28,6 %
Nicolas Sarkozy               27,2 %
Marine Le Pen                  17,9  %
Jean-Luc Mélenchon     11,1  %
François Bayrou                 9,1 %

Die wirklich größte Überraschung war, dass Marine Le Pen so viele Wähler für sich gewinnen konnte und in den Medien  „le troisième homme“, der dritte Mann, tituliert wurde.
Nun geht es in die Stichwahl, dazu sind die zwei Kandidaten berechtigt, die in der ersten Runde die meisten Stimmen für sich entscheiden konnten – demnach François Hollande und Nicolas Sarkozy. Hollande geht in diese Wahl, die am 6. Mai 2012 stattfinden wird, mit einem gewissen Vorsprung (auch wenn alles auf Null gesetzt wird), da Eva Joly (Les Verts) und Jean-Luc Mélenchon sich für ihn ausgesprochen haben und nun auf Hollandes Seite „kämpfen“. Bayrou und Le Pen hingegen haben keinen Vorschlag abgegeben.

 

 

 

 

 

 

Es gibt übrigens ein recht bizarres Gesetz hier in Frankreich, das besagt, dass bis 20 Uhr am Wahltag die französischen Medien nicht berechtigt sind, die Ergebnisse bzw. Prognosen und Hochrechnungen dem Publikum zu veröffentlichen. Dies gestaltet sich freilich als schwierig, weil alle Journalisten und auch die eingeladenen Politiker natürlich über die aktuellen Zahlen informiert sind, diese aber nicht aussprechen dürfen. So kommt es auf twitter zu vielen kreativen Aussagen der Journalisten:

« On va se faire un code. Le flan est au four ça veut dire Hollande au 2nd tour. La tomate est mûre , ça veut dire Mélenchon », propose ainsi @gchampeau, allusion pâtissière au surnom malveillant du candidat socialiste – « Flamby » – et à la couleur rouge emblème du candidat du Front de Gauche.

(Wir werden einen Code erfinden. Der Pudding ist im Ofen bedeutet, dass Hollande in der zweiten Runde ist. Die Tomate ist reif spricht für Mélenchon, schlägt gchampeau vor, der so auf den boshaften Spitznamen des sozialistischen Kandidaten „Flamby“anspielt und auf die rote Farbe des Symbols der Front de Gauche.)

oder auch:

D’autres préfèrent filer la métaphore footballistique: « Hollande » devient habilement « Pays-Bas », tandis que le tenant du titre Nicolas Sarkozy récupère le maillot de la Hongrie, pays d’origine de son père.

(Einige bevorzugen indessen die Fußball-Metapher: „Hollande“ wird damit zu den Niederlanden, während Sarkozy das Trikot von Ungarn trägt, das Geburtsland seines Vaters.)
Und da auch ich nicht bis 20 Uhr warten konnte, habe ich mich auf den Internetseiten der belgischen und schweizerischen Medien informiert. Diese richteten extra Server ein, weil es bei der letzten Wahl 2007 einen zu starken Ansturm gab und alles abstürzte. Dieses Mal ging jedoch alles gut und ganz Frankreich wartet nun auf den zweiten Wahlgang, dem wohl ein TV-Duell bevorsteht. Ob das noch etwas ändern wird?

Bleibt also abzuwarten, wie die Medien sich im zweiten, entscheidenden Wahlgang verhalten und – viel wichtiger – wie sich die französische Bevölkerung verhält.

Quellen:

http://www.leparisien.fr/election-presidentielle-2012/resultats-avant-20-heures-twitter-s-invente-ses-messages-codes-19-04-2012-1962373.php

Deutscher Kurzurlaub Nr.2

Da meine Frankreichliebe nun doch schon einige Jahre andauert, hatten sich meine Eltern entschieden, nun endlich auch mal das Land, die Leute und die Sprache kennen zu lernen. Guuuut, dachte ich mir. 🙂

Und guuuut war es auch.

Ich habe von meinem Chef unglaubliche vier Tage frei bekommen, die ich natürlich ausnutzen musste. Und so ging es in Nizzas Altstadt, nach Cannes und Antibes, Monaco und Menton und – mein persönliches Highlight – mit dem Mietauto in die Berge.
Hier ein paar Fotoimpressionen von den zahlreichen Ausflügen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Außerdem musste ich ihnen auch das französische „savoir vivre“ ein wenig näher bringen. So ging es in leckere Restaurants und ich habe wieder einmal gemerkt, dass sich hier Deutsche von Franzosen ganz stark unterscheiden.
In Deutschland geht man in ein Restaurant, um zu essen.
In Frankreich geht man in ein Restaurant, um neue Leute kennen zu lernen, mit dem Chef zu quatschen, guten Wein zu trinken, mit den Kellnern zu flirten und nebenbei die Spezialitäten auszuprobieren, die das jeweilige Restaurant so anbietet.

Sushi-Schlemmen ging es natürlich auch. Darauf hatte ich mich zwei Monate lang gefreut und das Warten hatte sich gelohnt. 🙂

Und weil die ganze Woche zwar doch recht touristisch und auch ein wenig anstrengend war („Lisa, was ist das für eine Kirche?“ … „Äääh, warte, ich schau mal im Marco Polo nach…“), bin ich glücklich und auch ein wenig stolz, mein französisches Leben zeigen zu können und jetzt endlich, nach fast acht Monaten, sagen kann: Ich fühl‘ mich verdammt wohl hier.