Gesammeltes

 

In Deutschland gibt es viel mehr leckere Frucht-Teesorten als in Frankreich. Hier ist „Apfel-Zimt“ schon eine ziemlich abgefahrene Teekomposition.

In Frankreich gibt es tolle Taschentücher-Boxen in bunten Farben, die so gar nicht nach Schnupfen aussehen und ganz viel gute Laune machen.

Im Carrefour gibt es meine persönliche „Ekel“-Ecke, genau da, wo Broiler und anderer fettiger Fleischkram verkauft wird. Die Gerichte werden direkt im Supermarkt zubereitet in einer kleinen Küche – da stinkt es einfach nur nach Fett und Öl. Mein Tipp: Luft anhalten und ganz schnell an der Ecke vorbeigehen.

Suppen werden generell in Tetra-Paks verkauft, so wie bei uns die Milch.

Tütensuppen erhält man hier fast gar nicht, die Franzosen stehen dann halt doch mehr auf Selbstgekochtes. (Was freu‘ ich mich auf Knorr und Maggi, wenn ich wieder zu Hause bin!)

An fast jeder Ecke gibt es Crêpes zu kaufen, leider gibt es nur wenige Geschäfte, die es auch wirklich KÖNNEN.

Mein Lieblingsmittagessen in der Stadt: Mohnbrot-Panini mit Ziegenkäse, Tomate und Salat und ein Smoothie. Lecker!

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Was ich in Deutschland nie essen wollte, hier aber liebe: Ziegenkäse – wie konnte ich ihn nur 18 Jahre lang verschmähen. Nach langen Überlegungen liegt es meiner Meinung nach einfach am deutschen Namen: Ziegenkäse hört sich schon eklig an – „chèvre“ dagegen klingt superlecker 🙂

Lieblingseissorte im Fenocchio: Rhabarber und Pfefferschokolade

Was mich nach 11 Monaten immernoch erschreckt: die Wohnungen der Franzosen. Vielleicht auch nur ein typisches Nizza-Vorurteil, aber Fliesen gehören für mich ins Bad und nicht ins Wohn- oder Schlafzimmer. Ich habe hier noch keine einzige Wohnung mit Laminat oder Parkett gesehen. Generell scheinen Franzosen auf ihre Wohnung nicht zu sehr acht zu geben. WOHlfühlen in der WOHnung ist hier nicht so wie bei uns…dafür hat jeder ein iPhone und iPad und wasweißich…

Mein bestes Essen: Gnocchi-Auflauf mit Zucchini und Ziegenkäse im Restaurant „La Storia“. Zum Reinlegen!

Was ich jetzt weiß: Dass Italiener italienisch können. Punkt. Ende. Und dass ich jetzt zumindest auf Italienisch ein Zimmer verkaufen kann.

Dass Franzosen sehr offensiv flirten. Und „Nein“ in dieser Angelegenheit nicht unbedingt „Nein“ für sie heißt.

Mein liebstes Soulfood: eine gute Portion Pasta beim Italiener oder ein Sushi-Abend in meinem heißgeliebten Sushi-Shop mit den Kollegen.

Was ich mag: die französischen Nachrichten. Wegen der Landkarte, die bei jedem Beitrag angezeigt wird mit dem entsprechenden Département, von dem gerade geredet wird bzw. in dem gedreht wurde. Landeskunde ansprechend und ganz nebenbei.

Was mich immernoch nervt: dass viele Geschäfte über Mittag schließen. Dass ich immernoch nicht den Unterschied zwischen „le tour“ und „la tour“ machen kann und jedes Mal überlegen muss.

Worauf ich stolz bin: Mit „Mange Prie Aime“ mein erstes französisches Buch ohne Wörterbuch und mit viel Spaß gelesen zu haben. Mich all das hier getraut zu haben, ohne aufzugeben. Dass ich den gefürchteten Subjonctif nicht nur kenne, sondern auch richtig anwende (im Gegensatz zu vielen Franzosen…).

Was ich gelernt habe: Dass es „demander à“ heißt und nicht „Je demande Marion.“ Dass Nasenspray in Frankreich so nicht existiert. Dass jeden Tag High Heels tragen bedeutet, Hornhaut zu bekommen.
Dass das französische Arbeitsrecht ganz schön doof ist.

Was ich über mich gelernt habe: Dass ich sehr leicht zu durchschauen bin. Dass ich sehr faul sein kann. Dass die Hotellerie nichts für mich ist.

Was ich vermissen werde: Crêpes, Panini, meine WG-Mädels, meine Kollegen, Le Petit Journal, Sushi, das Meer und die Sonne, die Abende mit Wein und Bier auf dem Balkon, die Überraschungsbesuche, die Tage auf Arbeit, bei denen es im Büro Schokolade und viel Gelächter gab, meine Bilderwand, das weltbeste Apfel-Zimt-Kompott meiner Mitbewohnerin, den Balkon mit Südseite, das Französisch reden und –verstehen, das Bisous-an-jeden-verteilen und viele kleine andere Dinge 🙂

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Franglais

Franglais – von den englischen Wörtern in der französischen Sprache

 

Es ist ein altes Cliché, das Franzosen kein Englisch sprechen können und nur ihre, die schönste, umwerfendste und tollste Sprache tolerieren. Das wusste ich – aber nun gibt es selbst in Frankreich eine Bewegung, die immer mehr englisch-sprachige Begriffe in die Werbungen, Presse etc. einführt. Diese Entwicklung ist in etwa gleichzusetzen mit dem Denglisch in der deutschen Sprache, in Frankreich wird daraus franglais (français + anglais). Dabei wird allerdings nicht auf eine „englische“ Aussprache geachtet, alles wird schön mit französischem Akzent betont, so dass Deutsche oder allgemein Ausländer manchmal nur Bahnhof verstehen…

Bereits an meinem ersten Tag machte mich eine deutsche Ex-Mitbewohnerin darauf aufmerksam. Ihr Freund, ein Franzose, hatte ihr irgendwas erzählt und dabei die Hauptstadt Floridas erwähnt. Sie dachte, es handelt sich um einen neuen Ausdruck, den sie noch nicht kannte und fragte gleich nochmal nach, was er damit meinte. In ihrem Kopf überlegte sie, seit wann man nicht mehr „mon ami“ sagt. Ihr Freund schaute sie verwirrt an und fragte: „Wie, du kennst Miami nicht? Aber das ist doch die Hauptstadt Floridas in den USA! Das musst du doch kennen!“
Nach einigen Sekunden hatte meine deutsche Freundin verstanden und lachte erst einmal vor sich hin, bis sie dem verdutzten Franzosen erklärte, dass sie Miami [mi’ami] nicht verstanden hat, weil er es falsch, also französisch, ausgesprochen hatte. Wir kennen Miami als [mei’ämi], während der Franzose alles französisiert und wir armen Ausländer und Sprachenlerner dumm dastehen und uns fragen, was für ein neues Wort das nun schon wieder ist. Sprecht es einfach mal in französischer und englischer Version laut vor euch hin, ihr werdet einen großen Unterschied bemerken 🙂

Weiterhin habe ich vor einiger Zeit ein Werbeplakat der französischen Fastfoodkette „Quick“ entdeckt, dass mit dem Slogan „My french burger“ warb. Gut sichtbar war ein * hinter den Slogan getippt und am unteren Rand des Plakats konnte man die Übersetzung des ach so schwierigen Ausdrucks lesen: Mon burger à la française

Und zu guter Letzt fehlen natürlich noch ein paar Erfindungen von Apple. Unser Ipod [ei’podd] wird dann schnell zum [i’pood] und das Ipad [ei’päd] zum [i’pad] – und dann soll sich nochmal jemand wundern, wenn die französischen Schüler kein ordentliches Englisch können…
Zu meiner Integration gehört allerdings (leider) auch, dass ich ebenso diese Worte jetzt in französischem Akzent sage. Einfach weil ich Angst habe, dass mich sonst kein Franzose mehr versteht…

 

Bye bye Nice!

Seit zwei Wochen bin ich nun schon wieder zu Hause, zu Hause in Deutschland. Während die ersten Tage in der Heimat doch etwas komisch waren und ich ständig Französisch geredet habe, klappt jetzt alles wieder bestens und ich fühl mich wohl.
Und doch: 11 Monate in einer fremden Stadt und einem fremden Land gehen nicht spurlos an mir vorbei. Ich habe ganz viele Erinnerungen an schöne Stunden, nette Leute und leckeres Essen&Trinken mit in mein anderes „zu Hause“ genommen – und die Hoffnung, all die lieben Menschen irgendwann mal wiederzusehen!

Dieses Jahr Auszeit (année sabbatique, wie ich es Franzosen immer erklärt habe…) hat mir unheimlich viel gebracht. Ich bin offener geworden gegenüber fremden Kulturen und neugierig, was die Welt noch alles zu bieten hat. Ich bin erwachsener geworden, kann alleine Entscheidungen treffen und brauche nicht ständig meine Familie um mich herum. Ich habe gelernt, mich durchzusetzen und meine Ideen einzubringen, ob bei fantasievollen Crêpe-Zutaten oder auf Arbeit. Ich habe geliebt und gelernt, in den richtigen Momenten zu gehen. Ich weiß jetzt, was es heißt, das Leben zu genießen.
Und ich kann jetzt verdammt nochmal Französisch reden. 🙂

Und deshalb bin ich stolz auf mich, dieses Jahr durchgezogen zu haben. Es gab immermal kleine Hänger, aber genügend Leute, die mich mit meterlangen Mails (ja, ich denke an dich, B.), endlosen Telefonaten (danke Mama+Papa!), vielen Facebook-Nachrichten (tut mir leid, liebe L.,dass ich nicht immer zurück geschrieben habe…) und Meldungen à la „Ich bin heut am Radisson in XY vorbeigefahren und hab an dich gedacht.“ immer wieder aufgebaut haben. Ich danke euch wie verrückt dafür, ebenso all den Leuten, die aus aller Welt Postkarten geschickt haben, ob sie nun aus Altenbach und Naunhof oder aus Neuseeland und New York kamen.

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Jetzt wird es Zeit für ein neues Kapitel, ein neues Leben beginnt und ich freue mich auf neue Herausforderungen, neue Ziele und neue Städte!

Allerliebste Grüße und ein gros bisous,

Lisa