Inder sind „chiant“

Großer Tag heute.
Wir waren zu dritt in der Frühschicht (in der Wintersaison gibts normalerweise eine Früh-, eine Mittel- und eine Spätschicht…) und versuchten, 150 Check-Ins gut über die Bühne zu bringen.
Fast alles hat super geklappt und somit waren wir eigentlich richtig zufrieden mit uns und unserer Arbeit.

Gegen 15.30 Uhr habe ich dann meine letzten Cardex ins System übertragen und wollte gerade anfangen, meine Kasse zu schließen, da kam der Inder an, den ich eine halbe Stunde zuvor eingecheckt hatte. Er wollte ein Zimmer mit Meerblick haben.
Normalerweise kein Problem, aber gerade heute sind wir auf der SeaView-Seite komplett ausgebucht, weil eine Gruppe alle Zimmer blockiert. Somit hatte ich kein Meerblick-Zimmer frei und hab das dem Mann auch relativ verständlich erklärt. Ich meinte, er könne es morgen versuchen, da dann die Gruppe wieder abreist und wir somit wieder Kapazitäten haben werden.
Irgendwie hat er das aber nicht so ganz verstanden und ständig gesagt, dass er überhaupt nicht „satisfied“ ist und er das Hotel nur wegen des Meerblicks gebucht hätte.
Also hab ich in seine Reservierung geschaut und da stand klar und deutlich „City View“ drin…darauf habe ich ihn dann noch recht freundlich hingewiesen. Er meinte, dass er das ja nicht selbst gebucht hat, sondern dass das sein Reisebüro war.
– Was kann ich für sein Reisebüro…?!
Ich hab ihm dann im Computer gezeigt, wie viele Meerblick-Zimmer ich zur Verfügung habe: der Bildschirm hat eine weiße Seite angezeigt. Der Inder hat eine Minute drauf gestarrt und dann gemeint, dass er das nicht versteht und dass, wenn er ein Meerblick-Zimmer haben möchte (und dafür bezahlen möchte), dann ja auch eins da sein wird und dass er die Geschäfte kennt und wir die Zimmer blocken für sonstirgendwelche Leute…arrrrrgh. Ich konnte bald nicht mehr, weil ich mich nur noch wiederholt habe und war so froh, als der gute Herr sich endlich umgedreht hat und gegangen ist (seine Frau hat in dieser Viertelstunde übrigens draußen auf ihn gewartet…)

Damit dachte ich, sei die Sache erledigt. Morgen würde ich ihn einfach anrufen und ihm Bescheid geben, wenn ein Zimmer frei wird.

Plötzlich ruft allerdings Audrey von dem Reservierungs-Team an und sagt, dass sie eine indische Agentur am Telefon hatte und die sich beschwert haben, dass ihr Kunde kein Meerblick-Zimmer bekommen hat. Audrey muss dann wohl in etwa das gleiche wiederholt haben, was ich ihm schon erzählt hatte. Wahrscheinlich hat er uns immernoch nicht geglaubt.
Dann hat sie den Anruf zu uns durchgestellt und Claire hat nach einigen Minuten ruhigen Erklärens mit beherrschter Stimme gesagt, dass wir einfach vollgebucht sind und wir da auch nichts dran ändern können und kein Zimmer für ihn bauen können.

Aufgelegt und fertig – ich hoffe, dass die Spätschicht heut Abend mit ihm keine Probleme bekommt…

Eine kurze Episode aus meinem Alltag – und trotzdem macht das alles ziemlich viel Spaß 🙂
Einen schönen Abend euch und an alle fleißigen Studenten und Studentinnen – ich wünsch euch viel Glück für die Prüfungen! 🙂

 

 

*chiant – blöd, nervig (Mein Lieblingsschimpfwort neben „putain“)

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Januar – Sonnenstrahlen ?!

Verrückte Welt, hier in Nizza. Während ihr zu Hause bibbert und es regnet und stürmt und gaaanz eklig ist, werde ich hier an der Côte d’Azur von Sonnenstrahlen nur so verwöhnt. Seit zehn Tagen ist es tagsüber so um die 15 Grad warm und Wolken hab ich schon ganz lange nicht mehr gesehen. Ein tolles, aber auch komisches Gefühl!

Auf Arbeit gibt es zur Zeit nicht viel zu tun, es war schrecklich langweilig die letzten Tage und so durfte ich immer früher nach Hause gehen…
Am Montag haben wir Lara, die Niederländerin verabschiedet und sind noch auf ein Gläschen Cidre mit in die gemietete Wohnung ihrer Eltern gegangen. Dort haben wir uns dann nochmal ganz nett unterhalten und es war alles in allem ein schöner Abend. Dazu beigetragen hat auch, dass wir Timmy-Sitting hatten. Timmy ist der Hund von Nadine (der Deutschen…) und ihrem Freund Romain. Da Nadine und Romain zur gleichen Zeit gearbeitet haben, haben Marion und ich auf Timmy aufgepasst. Er ist ganz lieb und toll und überhaupt 🙂 Nadine erzieht ihn auf deutsch und so lernt Marion jetzt Dinge wie „Sitz“, „Komm her“ und „Bei Fuß“. Timmy gehorcht auch schon supergut 🙂 Am Dienstag hatten wir ihn dann nochmal den gesamten Abend, das war auch schöööön – nur die Nachbarn haben irgendwann gegen die Wand geklopft, weil er so laut gespielt hatte (er hat so ein Quiek-Schwein, ganz schrecklich, das fiept richtig laut und er konnte einfach nicht davon lassen…).

Marion und ich wohnen jetzt für drei Wochen allein in der Wohnung, was uns echt gut tut. Jeden Tag kocht jemand anderes und dadurch reden wir viel mehr miteinander und nicht nur die übliche „Ca va?“-Frage (die mir so langsam auf die Nerven geht!). Dieses Zweier-WG tut also richtig gut im Moment…am 30.Januar soll dann die Spanierin kommen und vor ein paar Tagen haben wir erfahren, dass am 10. Februar noch eine Niederländerin kommen soll. Damit müssen wieder zwei ihre Zimmer teilen, was total doof ist.
Marion und ich haben uns richtig darüber aufgeregt, weil wir halt extra im Dezember gefragt haben, ob nach der Spanierin noch jemand vorgesehen ist und uns wurde halt gesagt „Nein, wir haben keine weiteren Praktikantinnen vorgesehen“ Und dann, drei Wochen später, erfahren wir sowas. Totaler Mist. Jetzt werde ich wahrscheinlich in das kleine Zimmer, das vorher Faye gehört hat, umziehen, damit ich nicht noch einmal mein Zimmer teilen muss. Der Nachteil daran ist, dass ich dann in meinem Zimmer kein Internet habe und somit immer zu Marion ins Zimmer gehen muss, was wohl auf Dauer auch ein wenig nervig wird. Aber so habe ich zumindest meine Ruhe… und ein wenig weniger Internet kann ja auch nicht schaden…
Bis jetzt haben Marion und ich aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben und wir werden auch die Mädels fragen, ob nicht eine der beiden zu Javier ziehen möchte. Der wohnt nämlich ganz alleine in seiner Wohnung und das ist ja auch bloß ziemlich langweilig. Whatever…wir werden sehen.

Einen neuen Staubsauger haben wir übrigens immer noch nicht…Franzosen sind echt schlimm. Alles dauert so irrsinnig lange und alle sagen „Ja, ich hab es weitergeleitet…“ . Irgendwie kommts aber nie bei dem Richtigen an. Und das ist dooooooof. Weil so ganz ohne Staubsauger wird selbst die ordentlichste Wohnung dreckig. Ich halte euch auf dem Laufenden, wenn wir wieder einen funktionstüchtigen Staubsauger haben…

Das wars erstmal wieder von mir, ich hoffe, ihr bibbert nicht allzu sehr und lernt schon alle fleißig für eure Prüfungen 🙂

Bonne année 2012!

Hier kommt ein etwas verspäteter, aber dennoch lieb gemeinter, Neujahrsgruß 🙂 Ich wünsche euch (und mir!), dass es ein glückliches, spannendes und überraschendes neues Jahr wird, mit vielen tollen Ereignissen!
Ich hoffe außerdem sehr, dass eure Silvester-Party etwas ergiebiger, toller und lustiger war als meine … hier war NICHTS los. Also nichts im Sinne von Nichts.

Ich war ja am Silvesterabend in der Mittelschicht eingeteilt und hab dann trotzdem eine Überstunde gemacht, da unser liebes System Opéra nicht mehr funktionieren wollte und wir just in diesem Moment natürlich ganz viele Check-Ins, Walk-Ins und „Ich möchte mein Zimmer wechseln“-Anrufe hatten. Da ich Claire mit diesem Chaos nicht alleine lassen konnte und wir außerdem noch einen Mitarbeiter von Opéra am Telefon hatten, der den Fehler suchen und somit das System wieder zum Laufen bringen sollte, bin ich etwas länger geblieben und habe den Gast zum König gemacht…
Wenn das System ausfällt, ist das immer eine doofe Angelegenheit, wenn es dann aber auch noch plötzlich passiert, dann ist es umso schlimmer. Wir müssen dann alles aufschreiben, per Hand machen und das dauert dann natürlich länger und es ist schwieriger den Überblick zu behalten, welches Zimmer man nun schon verteilt hat und welches nicht.
Letztendlich hat es vier Stunden gedauert, bis Opéra wieder funktionierte…

Ich bin dann nach Hause gegangen und nach einer Weile kam dann Javier, ein neuer spanischer Praktikant für die Rezeption, zu uns. Wir haben dann zusammen ein super Silvestermahl gegessen: Spagetti mit Drei-Pfeffer-Soße aus der Maggi-Tüte (Ich hab hier nämlich Maggi entdeckt! 😀 )
Das war dann auch recht lecker, dazu gabs ein Glas Weißwein und Javier hat natürlich irre viele Fragen gestellt zum Ablauf an der Rezeption und wie das Team so ist … all die Fragen, mit denen ich anfangs Nadine bombardiert hatte. 🙂

Am späteren Abend ist Javier dann in seine Wohnung gegangen um mit seinen Eltern zu skypen, ich bin an den Strand gegangen, weil ich von da den besten Blick auf das Feuerwerk gehabt hätte. hätte – denn es gab gar kein Feuerwerk. Es war erstaunlich ruhig um Mitternacht, fast keine Leute auf der Straße und ich kam mir doch ein wenig einsam vor 😀 So ein Silvester bin ich einfach nicht gewohnt. Die Polizei, die auch mit am Strand war, hat uns dann Sekt ausgegeben und so habe ich mit den Polizisten aufs neue Jahr angestoßen 😀
Gegen halb 2 waren wir dann auch schon im Bett, am nächsten Morgen hatten wir dafür keinen Kater – hat auch sein Gutes.

Ein paar Tage zuvor haben wir Laras Geburtstag gefeiert, da war dann schon mehr los! Wir waren lecker essen und sind danach in eine Bar mit DJ gegangen, das „Wayne’s“. Marion und ich waren auf Disco eingestellt, demzufolge waren wir erstmal etwas enttäuscht, als wir eine Liveband wie in jeder Bar sahen. Die Musik war ganz gut, aber halt absolut nicht zum Tanzen geeignet. Nach einigen Minuten hatte sich die Band dann aber ausgespielt, so dass ganz normale House-Musik aufgelegt wurde. Es wurde auf Bänken und Tischen getanzt und die Stimmung war wirklich gut. Gegen zwei Uhr sind wir dann nach Hause gefahren (ich erstmals mit dem vélobleu (ähnlich dem vélib in Paris)), da die Mädels um 8 Uhr morgens anfangen mussten, zu arbeiten. Ich hatte Glück und war in der Spätschicht eingeteilt 🙂
Ein paar Fotos sind an diesem Abend natürlich auch entstanden, die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten!

 

Memo Weihnachten

Um 4.30 Uhr aufstehen. Von V. chauffiert werden. Verspätung. 4 Stunden Münchener Flughafen. Überraschung in Leipzig. FREUDE. Zu Hause sein. Alles anfassen wollen, ob auch wirklich noch alles so ist wie vor 5 Monaten. Ganz viel erzählen. Ganz viel GLÜCK spüren. Nächster Besuch, wieder quatschen, quatschen, quatschen. Merken, dass sich nichts verändert hat. Tee trinken. Geschenke verpacken. Auto fahren. Merken, dass man immernoch nicht rückwärts fahren kann. Drüber lachen mit der Besten. Plätzchen essen. Apfelschorle trinken. Neue Zimmer erkunden. Sich erst freuen und dann doch ärgern über das dritte, unbenutzte Glas. Erkennen, dass „Sternebasteln“ doch schwieriger ist, als man denkt. Schon wieder verabschieden. Erstes Abendessen zu Hause nach 5 Monaten. Sich über die große Auswahl wundern und dann doch zum Frischkäse greifen. Deutsches Fernsehen schauen. Fußmassage. Sich WOHLFÜHLEN. Im eigenen Bett schlafen. Die Bettwäsche LIEBEN.
Von klapperndem Geschirr munter werden. Den Unterschied zwischen französischem und deutschem Nutella erklären. Mit Geschenken zur Familie fahren und schonmal Bescherung machen. Wissen, dass der 30.6.2012 ganz toll wird. TOLLE Gespräche. Lachen, über Namensverwechslungen. Schon wieder verabschieden. Kirche. Über das Krippenspiel meckern. Fleißig schief Lieder singen – und merken, es ist WEIHNACHTEN. Oma abholen. Nussecken. Tee. Bescherung. Vor FREUDE weinen, über die einfachsten, aber tollsten Geschenke. Kartoffelsalat mit Wiener. Märchen schauen.
Schon wieder Koffer packen. Bei Oma die Familie sehen. Merken, dass es Personen gibt, die sich überhaupt nicht für einen interessieren. Erkennen, dass es einem egal ist. Lecker essen. Smartphones vergleichen. Dann, 14.50 Uhr. Umarmung. Anschauen. Und wissen, dass sich nichts verändert hat. GLÜCKLICH sein, im Auto vorne sitzen zu dürfen. Freudentränen wegblinzeln. Die Besten wiedersehen und sich einfach nur auf den BESONDEREN Tag freuen. Dresden mit anderen Augen sehen und eine Wohnung erkunden. Auf der Autofahrt reden. In Gedanken schwelgen. Ankommen. Jacke aus, Bikini an. Und seinen Orientierungssinn verfluchen. 15 Minuten nach den Toiletten suchen. Den Abend im Wasser verbringen. NÄHE suchen, und finden. Mitternacht in den Umkleiden verbringen. Geschenke überreichen. Trinken. Schlafen. Munter werden und ab ins Wasser. Die letzte Stunde im Whirlpool verbringen. Nicht an den nächsten Tag denken. Hektisch duschen, umziehen, Haare fönen. Diebstahl. Miese Laune bekommen. Warten. Eine Stunde Verspätung. Endlich losfahren. Wieder vorne sitzen und die letzten Stunden GENIESSEN. Ankommen. Schon wieder verabschieden. Die Tränen in den Augen sehen und sich denken: Wie süß! Schlemmen bei Oma. Geschenke auspacken. Erzählen. Mohnstolle. Lebkuchen. Und dann die Erkenntnis, dass alles schon wieder vorbei ist. Ein Anruf, der (fast) alles wieder gut macht. Flughafen. Tränen. Und trotzdem: Freude auf mein französisches Zuhause. In Frankfurt 3 Stunden mit einem Briten, der in der Schweiz wohnt, verbringen. Und dann, irgendwann nach Mitternacht, mit dem Taxifahrer über Frau Merkel und Herr Sarkozy philosophieren. Zuhause ankommen und tatsächlich „zu Hause“ FÜHLEN.

Und ich DANKE euch allen wie verrückt, dass ihr dieses Weihnachten zu etwas ganz Besonderem gemacht habt.
Ich LIEBE euch dafür.